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Foto: Jens-Christian Henke |
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Weltpremiere in Bückeburg: Erstmals seit über
70 Jahren haben sich zwei Habichte an einem Ort eingefunden. Im
Vordergrund die kleineren Brüder |
Samstag,
der 16.08.2008
Nach einer
ruhigen Nacht und einem guten Frühstück fahre ich bei blauem
Himmel und Sonnenschein zur "Faszination Segelflug". Was für ein Glück
haben wir bloß mit dem Wetter, wenn man
bedenkt, dass sich der Wettergott diesen Sommer nicht ein
einziges Mal zu einer wenigstens halbwegs beständigen
Hochdrucklage durchringen konnte...
Der rote Habicht ist bereits fast
fertig aufgerüstet, als ich auf den Flugplatz komme. Das eingespielte Zahn-Team
erledigt diese Tätigkeit in weniger als 1 h.
Da das Treffen der Habichte
bereits groß in der Presse angekündigt wurde, besteht der erste
Tagesordnungspunkt in einem Fototermin mit den beiden Habichten zusammen mit
ihren kleineren Brüdern. Seit dem Ende des Krieges sind erstmals wieder zwei manntragenden Habichte an einem Ort vereint. Ein toller Anblick! 
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Foto: Jens-Christian Henke |
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OSC-Habicht mit kleinem Bruder |
Die Flugveranstaltung
"Faszination Segelflug", die von Cheforganisator Bernd Vogt ins Leben gerufen
wurde, hält aber noch sehr viele andere Leckerbissen bereit. Zunächst einmal
begeistern die Flugzeuge am Boden. Das gilt sowohl für die großen als auch für die
kleineren Motor- und Segelflugzeuge.
Die Dutzenden aus halb Europa
angereisten Modellsegelflugzeuge sind überwiegend im Maßstab 1:3 gebaut. Es
finden sich sowohl Spezies aus den 30er Jahren (z.B. Habicht, Reiher III) als auch
Nachkriegstypen (z.B. K8, Wilga) und Exemplare des "Standes der Technik" (Nimbus 4,
DG-1000).
Fast aus den Puschen haut mich eine Ka4 Rhönlerche mit ca. 10 m Spannweite und
85 kg Abfluggewicht, deren Erbauer aus der Schweiz kommt. Das Flugzeug ist fast
genauso gebaut wie das Original - nur halt ein bisschen kleiner. Eine Weltpremiere
dürfte der Schlepp dieses riesigen Modells im Maßstab 1:1.4 mit einer Piper Cub
im Maßstab 1:1 sein. Auf dem Foto fällt dem erfahrenen Segelflieger die
besorgniserregend hohe Position hinter der Schleppmaschine auf, aber sicherlich
nicht, dass es sich um ein ferngesteuertes Modellflugzeug handelt.
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Foto: Jens-Christian Henke |
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Sowas habe ich noch nie gesehen: Eine
manntragende Piper Cub schleppt das ferngesteuerte Modell einer
Rhönlerche im Maßstab 1:1.4 |
Christoph
Zahn testet die Sitzposition im blauen Habicht aus, die sich
ein wenig von der im roten Habicht unterscheidet. Am
frühen Nachmittag machen wir uns bereit zu unserem ersten gemeinsamen
Flug. Christoph startet zuerst hinter einer Remorquer und
ich danach hinter einer Bellanca. Mein Schlepppilot
gibt herzhaft Gas, um den Habicht-Schleppzug voraus
einzuholen. Mit 150 km/h, der für den Habicht
höchstzulässigen Geschwindigkeit für Flugzeugschlepp, fliegt
der rote Habicht bereits im Querabflug neben und nicht mehr vor uns. Wir
präsentieren die beiden Habichte den Zuschauern zunächst im parallelen Vorbeiflug
im F-Schlepp.
Danach werden wir auf 800 m über Grund geschleppt. Kurz nach
dem Ausklinken trägt uns ein kräftiger Aufwind auf 1200 m
über Grund. Wir kreisen eng im Aufwind, was mir sehr viel Spaß macht.
Der Anblick des roten Habichts in der
Luft aus allernächster Nähe wird mir noch lange in schöner
Erinnerung bleiben. Wann wohl das letzte Mal zwei Habichte in
einem Aufwindschlauch gekurbelt wurden? Über 70 Jahre ist
das sicherlich her... Im Verbandsflug bauen wir langsam unsere
Höhe ab, bis der Luftraum frei ist für einen gemeinsamen
tiefen Überflug mit anschließender Landung.
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Foto: Jens-Christian Henke |
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Bei so vielen Habichten an einem Ort kann man
schon einmal den Überblick verlieren: Christoph sieht ein wenig
betreten aus, als er bemerkt, dass er versehentlich im
OSC-Habicht Platz genommen hat. ;-)
Sorry Christoph -
diese blöde Bildunterschrift konnte ich mir nicht verkneifen. |
Später zeigt Stephan Beck
Überflüge mit seiner ASW 22 BLE - ein "Formel 1"-Segelflugzeug der neuesten
Generation für Weltmeisterschaften und Weltrekorde. Mit einem Habicht ist genau
ein Überflug mit anschließender 180° Kehrtkurve möglich. Die ASW 22 BLE
zeigt dieses Manöver gleich viermal hintereinander. Das zeigt den
Leistungssprung in der Entwicklungsgeschichte von Segelflugzeugen! Erst der
Einsatz von Kohlefaser hat die Entwicklung solcher extrem
dünner Profile möglich gemacht. So kommt die ASW 22 BLE ohne
Aufwinde aus 1000 m Höhe dreimal so weit wie der Habicht -
60 km.
Nur wenige Piloten in Europa
haben die Genehmigung, einen sog. Troika-Schlepp durchzuführen. Nach dem Start
sieht man, wie die Piloten der drei
Segelflugzeuge vom Typ "Pirat" mit schnellen Ruderbewegungen dafür sorgen, dass
ihre Position genau stimmt und dass kein Schleppseil einen voraus fliegenden
Segler behindert. Die drei Schleppseile sind 20m, 40m und 60m lang.
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Foto: Jens-Christian Henke |
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Das ist ein Hauptelement der "Faszination
Segelflug" - hervorragend gebaute Scalemodelle treffen auf ihre
Originale. |
Eine weitere Attraktion für die
Zuschauer ist der Vorbeiflug des größten Segelflugzeuges der Welt mit über 30m
Spannweite: Der 50-fache Weltrekordpilot Hans-Werner Grosse nutzt die gute
Thermik und fliegt von seinem Heimatflugplatz Lübeck nach Bückeburg. Landen
möchte er aber nicht, höre ich im Funk, da er den Flug als Wettbewerbsflug
werten möchte. Seinen 636 km(!) weiten Flug nach Bückeburg (nordöstlich der
Porta Westfalica) kann man sich
hier anschauen. Hans-Werner wird übrigens dieses Jahr 86 Jahre alt und ist
fitter als die meisten 68-Jährigen und sicherlich hängt er auch so manchen 68er
ab.
Ich mache noch einen
"Allein"-Start mit dem Habicht und lasse mich auf 500m schleppen. Als mir
endlich im Norden des Flugplatzes der Thermikanschluss gelingt, kündigt sich
Christoph mit seinem einmaligen Habicht-Kunstflugprogramm an und ich fliege aus
seiner Kunstflugbox heraus an den Ostrand des Flugplatzes. Zum Glück finde ich
wieder einen Aufwind, so dass ich mir seine präzise Vorführung aus der Luft
ansehen kann. Das hat schon was: In der Luft in einem Habicht sitzend einem
anderen Habicht beim Kunstfliegen zuzuschauen! Christoph fliegt sein
Kunstflugprogramm "mit Rauch": Je zwei Rauchpatronen an jeder Flächenspitze
verstärken die "Dreidimensionalität" seines Flugweges. Die Begleitmusik kann ich
natürlich aus meiner Flughöhe nicht hören, aber insgesamt fliegt der rote
Habicht an diesem Wochenende viermal, so dass ich sein Programm auch vom Boden
aus genießen kann. Von Westen zieht abschirmende Bewölkung heran und ich kann
mich nach über 1 h Thermikflug nicht mehr lange in der Luft halten. Über Funk
stimme ich noch einen tiefen Überflug ab, den man übrigens kaum zu hoch ansetzen
kann, da der Habicht bei über 160 km/h Fluggeschwindigkeit keinen sonderlich
guten Gleitwinkel mehr hat. Tiefe Überflüge sind übrigens ein ganz normaler
Bestandteil von Wettbewerbsflügen. Würde ich allerdings mit meinem
"Jogurtbecher" (ein moderner Doppelsitzer aus Kunststoff) den tiefen Überflug -
wie beim Habicht erforderlich - in 400 m Höhe beginnen, dann würde das nicht gut
gehen, da ich die höchstzulässige Geschwindigkeit von 280 km/h locker
überschreiten würde.
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Foto: Jens-Christian Henke |
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Ballonglühen mit Modell-Ballonen |
Abends setze
ich mich zu meinen VGC (Vintage Glider Club) Vereinskameraden
an die Bierbank. Harald Kämper & Co sind mit einem
wunderschönen, transparent bespannten Kranich II, einem
Kranich III sowie einem Cumulus angereist. Gerd Hermjacobs
ist mit seiner Weihe 50 gekommen, die als "bewegliches
technisches Denkmal" in die Denkmalliste der entsprechenden
Behörde eingetragen ist.
Auch völlig neu für mich sind
ferngesteuerte Modell-Ballone, die nach Einbruch der Dunkelheit die verbliebenen
Zuschauer mit einem "Modell-Ballonglühen" erfreuen. Analog zu den manntragenden
Ballonen müssen Modellballonfahrer extreme Frühaufsteher sein, um die
Fast-Windstille für Fahrten nutzen zu können. (Nix für mich.) Mir wird
berichtet, dass man heute morgen (ganz ganz früh) mit den Modellballonen
"Rundfahrten" machen konnte, weil der sehr leichte bodennahe Wind genau
entgegengesetzt zum sehr leichten Wind oberhalb von ca. 20m Höhe war.
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