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20.+21. Oktober 2007
Fliegen nach Art der Väter und Großväter
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Foto: Benedikt Hämmerl |
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Völlig entspannt startet Fluglehrer Christoph
Heidler |
Eigentlich hatten wir das schon lange geplant, aber die Mitglieder unter
einen Hut zu bekommen, dauert ja erfahrungsgemäß etwas länger: Der LSV
Radevormwald hat einen Ausflug auf die Wasserkuppe gemacht und sich dort zum SG
38-Fliegen angemeldet.
Über das Forum unserer internen Homepage haben wir uns über 4 Wochen
gegenseitig Mut gemacht. Trotzdem hatten sich zum Schluss nur etwa 20 Piloten
gemeldet, aber mit Begleitung und Kindern waren wir dann doch zu 35 Leuten. So
sollte der Flugbetrieb wohl funktionieren. Am vorletzten Oktober-Wochenende war
es dann endlich so weit. In der Woche davor wurden die Wetterprognosen
ausgetauscht, bis es dann endlich klar war: Es wurde eher durchwachsenes Wetter
angekündigt und vor allem auf der "Kuppe", die ja rund 900 m hoch liegt, waren
dauerhafte Minustemperaturen und Schneeschauer angesagt. Also: Winterklamotten
raussuchen. Das konnte ja lustig werden.
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Foto: Benedikt Hämmerl |
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Kurz nach dem Ausklinken |
Angereist sind wir größtenteils am Freitag bei Regen und hatten Quartier in
Wohnwagen, Wohnmobilen, Hotels und Jugendherberge bezogen. So gab’s genug Zeit
schon abends ein bisschen zu feiern und uns auf den nächsten Tag einzustimmen.
Abends hat es immer noch geregnet…
Aber – welches Glück – am Samstag erwachten wir mit Sonnenschein und
knackiger Kälte. Dann konnte es ja losgehen. In der Halle des Rhönflug
Oldtimer-Segelflugclubs Wasserkuppe (OSC) haben uns Georg Schwab (Schorsch), der
Fluglehrer und der 1. Vorsitzende Karl-Heinz Kellermann begrüßt. Nachdem der
"Papierkram" erledigt war, bekamen wir eine theoretische Einweisung und dann
ging’s gleich zur Praxis. Auf was hatten wir uns da eingelassen? Die meisten von
uns kannten das Flugzeug nur aus Büchern oder aus dem Museum.
Am Pelzner-Hang angekommen, wurde die Haltemannschaft und die Startmannschaft
(Gummihunde) eingeteilt und das Gummiseil ausgelegt. Den ersten Start bekamen
wir von Georg Schwab demonstriert. Nun war’s an uns. Zuerst kamen unsere 3
Fluglehrer dran und dann nach und nach wir. Schonungslos mussten die Gewichte
der Piloten offen gelegt werden, denn schließlich sollten ja hinten oder vorne
die richtigen Trimmgewichte angebracht werden. Mancher hat sich hier vielleicht
überlegt, fürs nächste Mal ein bisschen abzunehmen.
Schorsch an der Fläche des SG 38 gab jedem noch mal eine Extra-Einweisung und
leistete seelischen Beistand für die Zauderer. Weiter ging es mit dem für
Gummiseilstarts speziellen Ablauf:
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Foto: Benedikt Hämmerl |
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Haltemannschaft |
Pilot? Fertig!
Haltemannschaft ? 4-6-stimmig: Fertig!
Startmannschaft ? 12-14-stimmig: Fertig!
Ausziehen!
Laufen!
Los!
Und dann befand man sich plötzlich 3-5 m über dem Erdboden, die Welt unter
einem stand still und es hätte immer so bleiben können. Jedenfalls hatte man das
Gefühl diese Höhe in unendliche Weite umsetzen zu können. Sekunden später aber
blieb nur noch das Abfangen, bevor die Erde einen wieder hatte. Einfach toll! So
haben sich also unsere Vorfahren in der Fliegerei gefühlt. Und so haben sie sich
bemühen müssen, um in den Genuss dieses Erlebnisses zu kommen. Kommentar eines
Schülers, der erst im letzten Jahr angefangen hat: "das ist ja doch
anstrengender als der Flugbetrieb bei uns" (bei uns gibt es nur F-Schlepp).
Dabei wurde der SG 38 mit dem Trecker zurückgeholt und nicht wie früher per
Hand.
Spätestens jetzt wird uns klar, wie mühelos der Flugbetrieb heute ist. Dabei
haben einige von uns noch mit Schulung auf dem Doppelraab und der Ka7 mit 3-4
min Platzrunden angefangen. Aber das hier hat noch eine andere Qualität. Manche
der Gummihunde sollten das in den nächsten Tagen auch in Form eines
ausgewachsenen Muskelkaters spüren.
Zurück an den Start, dem Startschreiber (mit der Stoppuhr) über die Schulter
geschaut: "Wie lange war’s denn?" "18 Sekunden!" Wie schreibe ich das in mein
Flugbuch? Der Rekord an diesem Tag: 27 Sekunden (mit Abstand). Es soll da einen
anderen Hang geben an dem man eine Minute und mehr fliegen kann.
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Foto: Benedikt Hämmerl |
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Steigflug mit leicht gedrücktem Höhenruder |
Wir fliegen bis zum Dunkelwerden und jeder bekommt zwei Starts. Beim zweiten
Durchgang merkt man die nachlassenden Kräfte und die Kälte: Die Starts werden
kürzer. Für einen Flugbetrieb dieser Art hätten wir ruhig ein paar mehr Leute
sein können.
Wie gut, dass wir den Samstag so intensiv genutzt haben. Am Sonntag hat die
Kuppe weiße Flecken vom Schnee und die "Knofe" will sich nicht auflösen.
Karl-Heinz Kellermann liest den Wetterbericht vor. Das war’s dann! Es folgen die
feierliche Verleihung der Urkunden und ein herzlicher Abschied.
Danke an Georg Schwab und Karl-Heinz Kellermann für das unvergessliche Erlebnis,
das Ihr uns beschert habt! Wir kommen ganz bestimmt wieder, vielleicht zu einer
früheren Jahreszeit, wenn es noch ein bisschen wärmer ist. Aber "Knofe" kann es
bei Euch ja immer geben.
Brigitte Großkinsky |