18.+19.
August 2007
2007, das Jahr der
Vereinsjubiläen
- oder -
Ein Vereinsausflug über die Hochrhön
Nun war es also soweit: Nach dem 25-jährigen Vereinsjubiläum des ROSC
Wasserkuppe, feierte im August 2007 der Ostheimer Segelflugclub auf dem
Flugplatz Büchig, der Heimat unseres Oldtimer UL SF 39 Ultra , sein
75-jähriges Bestehen mit einem Flugplatzfest. Alles begann wie bei vielen
Segelflugpionieren.
Nach einem Besuch auf der Wasserkuppe gründeten 1932 einige junge Männer
aus Ostheim vor der Rhön eine Segelfliegergruppe, bauten eine "Grüne Post"
und einen "Zögling" um zunächst mit Heuseilen, später mit Gummiseilen vom
kleinen Lindenberg aus zu starten. Der erste SG 38 des Vereines befindet
sich immer noch im Besitz eines Mitglieds und wurde bei Flugtagen im
Autoschlepp oder mit Gummiseil geflogen.
Durch diese "Seelenverwandtschaft" und der Nähe zur Kuppe versuchte ich
natürlich einige Mitglieder mit Flugzeugen des ROSC für die Veranstaltung zu
gewinnen. Gedacht – getan, beim Vorstand nachgefragt und sofort eine Zusage
bekommen, trotz Abschlusssonntag des Schulgleiterfliegens Nr. 2 - toll!
Doch
nun gingen die Problemchen erst los...
Unser Ultra musste auf der Wasserkuppe (Waku) um Asyl bitten, weil die
Ostheimer Halle für den Festkommers renoviert wurde. Trotz SG Fliegerlager
bekam ich einen Platz und konnte sogar nach dem SG 38 noch den SF 39 auf der
Kuppe fliegen! Danke nochmals an alle Waku-Piloten für die Rücksicht auf den
besch..... Funk im offenen Flieger!
Karin kämpfte inzwischen tapfer gegen den deutschen Amtsschimmel, denn
die Papiere für den Habicht kamen erst in letzter Minute vom
Luftfahrtbundesamt.
Auch die passenden Flugzeugführer hat Karin begeistern können: Norbert
Alt für den Flamingo und Peter Schenk für den Habicht.
Gespannt warteten wir am Samstag Nachmittag auf die Ankunft unserer
Piloten. Die SG 38 Truppe zeigte schon am Mittag Auflösungserscheinungen aus
Mangel an Gummihunden. So fand der geplante Abschlussabend in verschiedenen
Gaststätten in Gersfeld statt.
Nachdem Peter Schenk mit Hilfe des GPS, die "neue Halle" auf der Kuppe
gefunden hatte (ja, so lange war der Peter nicht mehr da) wurde der
Werkstattstaub vom Habicht gewischt und ab ging es zum Probeflug.
Auch nach den vielen Jahren "Habichtpause" erprobte Peter das Flugzeug
gleich im Kunstflug und war von seinen Eigenschaften sofort wieder
begeistert! Norberts Flamingo war auch okay, also alles klar für den Sonntag
und das Wetter sah gut aus!
Nach kurzer Nacht kam ich Sonntag morgens mit dem üblichen UL-Flugzubehör
(Benzinkanister, Werkzeugkiste, Handfunke, usw.) auf der Kuppe an.
Karin, Karl-Heinz, Peter und Dieter waren zum Glück schon da, die
Hallentore offen und alles vorbereitet. Also Flieger ausräumen, volltanken
und ab ging es zum Motorstartplatz. Da in Ostheim noch keine Schleppmaschine
am Platz war, wurde der Habicht von der "Schul-Remo" geschleppt. Karin und
Norbert im U 12 und ich im SF 39 starteten aus eigener Kraft in Richtung
Osten.
Es war ein wirklich tolles Erlebnis, im offenen Flugzeug neben dem
historischen Doppeldecker Flamingo fliegen zu dürfen, auch wenn Norbert
immer mal eine Ehrenrunde einlegen musste, weil meine Fahrt trotz Vollgas
nicht ganz reichte.
Nebeneinander führte der Flug genau über das ehemalige Segelfluggelände
des Ostheimer Vereins am "Hohen Poster" auf der Hochrhön zum neuen Flugplatz
am Büchig. Nach glatter Landung wurden wir freudig begrüßt. Leider hatten
einige Flugzeuge für's Programm absagen müssen und so waren der Habicht und
der Flamingo neben einer Extra 300 und einer EB 28, einer neuen
Segelflugzeug-Superorchidee mit 28 m Spannweite, die Attraktion des
Flugtages.
Karl-Heinz hatte das Habicht Fahrwerk mit dem Auto nach Ostheim
befördert, Hans und Theo waren mit der ASK 16 zum Mittagessen eingeschwebt
und Dieter hatte seine Rückreise nach Berlin kurz vor der neuen
Autobahnauffahrt unterbrochen.
So waren wir doch eine recht starke Wasserkuppentruppe auf dem Büchig.
Peter zeigte mehrfach gekonnte Kunstflugvorführungen - der Staub der letzten
Jahre im Museum rieselte bei den ersten Rückenflügen des Habicht nur so. Die
Landeanflüge gelangen auch auf ungewohntem Flugplatz perfekt: Das Flugzeug
kam jedes mal genau vor den Zuschauern zum Stehen!
Norbert flog fleißig Gäste im Flamingo und der brillante
Flugplatzsprecher Wolfgang Clas bewarb unsere Fanartikel und erklärte die
Ziele des ROSC, eine Werbung für unseren Verein und für die Wasserkuppe wie
es besser nicht hätte sein können!
Auch der schönste Flugtag geht einmal zu Ende. Peter mit dem Habicht
entschwebte im Schlepp in Richtung Westen, Karin und Norbert folgten im
Flamingo, Karl-Heinz saß im Auto Richtung Kuppe und Dieter in Richtung
Berlin. Ich selbst freute mich aber noch auf einen Abendflug zusammen mit
Heißluftballons, ganz besonders, weil ein befreundeter Pilot aus Gersfeld
darunter war. Nachdem ich den drei bunten Kugeln bis auf 750 m Höhe folgen
konnte, sah ich dichte Regenschleier über Oberelsbach ziehen.
Also Gas raus und nichts wie zurück zum Flugplatz!
Als eine der letzten Maschinen konnte ich in der Dämmerung landen. Im
Queranflug spürte ich auf einmal Nadelstiche im Gesicht, es waren
Regentropfen, stark beschleunigt durch den Propellerwirbel. Nach dem
Aufsetzen war dann wieder alles trocken.
Die dunkle Wolke hatte den Büchig verschont.
Es war halt Jubiläumsflugplatzfest!
Peter Beres