SG 38 im OSC
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Das Schulgleiterfliegen

Unter der Federführung von Seppl Kurz wurde 1984 der Schulgleiter D-7051 mit viel Arbeit und neu hergestellten Teilen wieder aufgebaut. Im April 1985 wurde er erfolgreich vom Prüfer abgenommen und im Mai wurden die Prüfungs-Flüge durchgeführt. Daraufhin erhielt er seine Lufttüchtigkeit und den Eintragungsschein.

Nun ging unser Oldtimer zu vielen Flugtagen, wo er, bedingt durch die für Zuschauer sehr interessante Startart "Gummiseil", fast immer der Höhepunkt bei den Flugvorführungen war. Hier können Zuschauer aktiv als "Gummihunde" und "Schwanzlinge" helfen, was erfahrungsgemäß auch immer prima funktioniert. Bedingt durch die positive Zuschauerresonanz gibt es Flugplatzfeste, bei denen wir sozusagen schon "zum Inventar" gehören und fester Bestandteil des Programms sind.

Der Flieger wurde mehr und mehr beliebt, gelangte sogar zu Berühmtheit, als er in Ägypten für Filmaufnahmen um die Pyramiden flog.

Es kamen Anfragen von Fliegerkameraden anderer Vereine, auch einmal mit dem SG 38 fliegen zu dürfen. So entschloss man sich, ab dem 17. Juni 1990 ein einwöchiges Schulgleiterfliegen auf der Wasserkuppe durchzuführen. Unter der Leitung von Seppl und dem Rhöner Urgestein Karl-Ernst Kess als Fluglehrer wurden 348 Gummiseilstarts mit einer Flugleistung von 2 Stunden 47 Minuten erreicht.

Diese Veranstaltung fand so viel Anklang, dass man nach Wiederholung rief. Ja, so nahm das Schicksal seinen Lauf. Es folgte nun jedes Jahr ein "Lehrgang". 1992 wurde mit dem Bau eines neuen Schulgleiters, dem D-7055 begonnen und dieser kam dann ab 1993 zum Einsatz. Der "Alte" wurde an den Oldtimer Segelflugverein München (OSVM) übergeben.

Die Nachfragen wurde nicht weniger und wir entschlossen uns, ab 1997 zwei Veranstaltungen pro Jahr durchzuführen. In diesen 17 Jahren nach dem 1. Schulgleiterfliegen 1990 haben wir insgesamt 27 Schulgleiter-Wochen auf der Wasserkuppe verbracht. Hinzu kommen 66 Wochenendveranstaltungen für Vereine sowie die Teilnahme an sehr vielen Flugtagen. Insgesamt wurden mit den Schulgleitern 7910 Starts durchgeführt und es wurde eine Gesamtflugzeit von 51 Stunden, 39 Minuten und 12 Sekunden erreicht. Das ergibt eine durchschnittliche Flugzeit von 23,5 Sekunden pro Start!

Was hinter diesen ganzen Veranstaltungen steckt, kann in wenigen Worten gar nicht wiedergegeben werden, am besten, man setzt sich selbst 'mal auf das Sperrholzbrettchen und lässt sich mit der Gummiseil-"Flitze" in die Luft katapultieren.

Absolut faszinierend ist es aber immer wieder, wenn man die anfänglich ängstlich und skeptisch blickenden Gesichter vor dem Start sieht und dann in die teilweise schon verklärten Gesichter der Pilotinnen und Piloten blickt, wenn sie nach der Landung am Flügel gehend ihren Flug innerlich noch einmal nachvollziehen.

Auf jeden Fall stärkt eine solche Veranstaltung das "Wir"-Gefühl in den Vereinen und lehrt vor allem die jungen Piloten, die Leistungen unserer "Altvorderen" zu schätzen und zu würdigen!

Neben all den Vorzügen des Gummiseilfliegens hier noch eine kleine Anekdote, die deutlich macht, dass SG-Fliegen durchaus auch Leistungssport ist: Wir waren 1996 mit einem SG 38 auf der Internationalen Luftfahrtausstellung ILA in Berlin. Als Startmannschaft war eine Gruppe Sportsoldaten der Bundeswehr vorgesehen. Wie diese unseren SG sahen, lächelten sie nachsichtig ob der sie erwartenden leichten Aufgabe. Nach jeweils zwei Starts die Bahn hinauf und wieder zurück, das Gummiseil wurde wegen des knappen Zeitfensters im Programm im Laufschritt getragen, lag die gesamte Mannschaft nach Luft japsend im Gras. Alle waren sich nun einig, dass auch Segelfliegen durchaus etwas mit Sport zu tun hat!

Hier noch einige Höhepunkte unserer Schulgleiter:

06.10.1985 Taufe des SG 38 D‑7051 auf den Namen: "Elektrotechnik Günter Fischer Frankfurt" auf der Wasserkuppe durch G. Fischer
13.07.1986 Präsentation des SG 38 bei der ZDF-Sendung "Sommergarten"
10.08.1987 Fototermin mit SG 38 auf dem Flughafen Frankfurt für ein Wandbild des neuen Segelflugmuseums (SG 38, LS 6, Ju 52 u. Airbus A 300)
22.06.1991 Taufe des SG 38 D‑7055; Taufpate und Namen: "Ede Rottke"
18.04.1994 SG 38 und der OSC zu Gast bei der RTL-Sendung "Aber Hallo"
18.05.1996 Teilnahme an der ILA in Berlin-Schönefeld
26.10.1999 Unser SG fliegt in Kairo und vor den Pyramiden von Gizeh für den Film: "Schwimmer in der Wüste", die Geschichte des Grafen László Álmásy bekannt als "Der englische Patient"

Dieter Domning und Georg Schwab 

 
 

Letzte Bearbeitung am 19. Oktober 2007